Jun 11

Jesus trommelte mit seinen Fingern rhythmisch auf den Küchentisch. Krischna fasste zusammen: „Also du spielst die E-Gitarre und ich mach’ den DJ. Wen sollen wir denn als Drummer nehmen? Wie wäre es mit Thor? Der hätte doch sicher auch nichts gegen ein Comeback.“
Jesus trommelte weiter und zuckte mit den Schultern dazu, als ob er tanzen würde: „Nee, keine Chance. Ich hab ihn gefragt. Sein neuer PR-Manager hat ihm geraten, nur Heavy Metal zu spielen. Ich fände es aber besser, wenn wir da nicht schon zu festgelegt ran gehen.“
„Ja das stimmt“, bestätigte Krischna.
„Wen hast du denn sonst noch auf deiner Wunschliste?“, fragte Jesus.
„Keine Ahnung, aber ich wäre da für ein paar nicht so bekannte Götter, damit die uns nicht die Show stehlen“, sagte Krischna und Jesus nickte.
Es klopfte an der Tür. Krischna machte auf. Ein Mann mit Ziegenhörnern steckte seinen Kopf durch den Türrahmen. „Hallo, ich hab gehört ihr wollt ’ne Band gründen?“ Der Inder warf die Tür zu. Der Fremde konnte gerade noch rechtzeitig den Kopf einziehen. „Wer war’s?“, fragte Jesus.
„Ach bloß Pan, der Idiot”, antwortete Krischna gereizt.
„Dass der uns auch nie in Ruhe lassen kann. So ein blöder Mitläufer!“, erwiderte sein Kumpel.
Dann fragte er: „Hey, was ist denn mit diesem Orpheus? Der soll doch ’ne recht passable Singstimme haben.“
Krischna seufzte: „Der war ja eigentlich gar kein richtiger Gott. Jedenfalls hat sich das sowieso erledigt, da er von den Sirenen zerrissen wurde.“
„Oh!“, sagte Jesus bedauernd.
„Die Sirenen sind allerdings noch nicht unter Vertag“, meinte der Inda.
„Neee“, antwortete Jesus, „die sind viel zu aufdringlich. Außerdem, Frauen als Sängerinnen… Die gehören doch hinter den Herd.“
„Ja, da hast du auch wieder recht.“ stimmte Krischna zu, auch wenn das eigentlich gar nicht seine Meinung war. „Lass uns doch noch was Exotisches nehmen“, meinte sein Freund. „Gab’s nicht von den acht Unsterblichen einen mit ’nem Instrument? Asiaten kommen doch zur Zeit gut an.“
In diesem Moment klopfte es an der Fensterscheibe. Es war Pan und er rief: „Hey Leute, ich kann jetzt sogar Jazzflöte spielen.“
„Wie kommt der denn hier rauf? Ich wohn’ doch im dritten Stock“, sagte Krischna. Jesus machte dass Fenster auf und Krischna kippte Pan mitsamt der Leiter um. „Verpiss dich endlich. Und deine Jazzflöte kannst du dir in den Anus rammen!“, rief Krischna ihm nach und rieb sich die Hände.
„Ist der eigentlich unsterblich?“, fragte Jesus.
„Jeder ist doch unsterblich“, sagte Krischna, „zumindest bis man stirbt.“
Beide lachten und der Heiland machte das Fenster wieder zu.
„Wir könnten doch, wenn Thor nicht will, einfach Raiden nehmen. Der ist doch sozusagen Thors japanisches Pendant. Da hätten wir ’nen super Drummer und obendrein was Exotisches für unsere Band“, meinte der Inder.
„Hört sich gut an“, gab Jesus zu. „Sollen wir eigentlich auch ein bisschen Ska machen? Ich kenn da ein paar Engel die können ganz passabel Posaune spielen.“
Krischna zog eine Grimasse: „Du meinst doch nicht etwa die Engel der Apokalypse? Weißt du nicht mehr was letztes Mal passiert ist als…“
Rums - die Beiden blickten sich zum Kamin um, wo ein verrußter Satyr saß. „Och nee, gerade frisch geputzt“, raunzte Krischna vor sich hin.
„Was willst du denn schon wieder hier?“, fragte Jesus gereizt.

Pan erklärte: „Ich flog gerade zufällig vorbei und da hab ich, ohne es zu wollen, gehört, dass ihr eine Band gründen wollt…“
„Da musst du dich verhört haben“, sagte Krischna schroff. „Wir wollten gerade ein Bad gründen.“
„Ja, genau“, log Jesus, „ein Heilbad. Außerdem, seit wann kannst du überhaupt fliegen?“
„Ich hab’ mir Hermes Flügelschuhe geliehen“, antwortete Pan. „Kann ich mitmachen, bei eurem Heilbad?“
Die beiden guckten sich böse an. „Nee, geht nicht“, meinte Krischna, „du vergraulst uns die Gäste. Außerdem wollte ich gerade Feuer machen!“ Er nahm etwas Holz vom Stapel und warf es in Pans Richtung, der sofort den Kamin wieder herauf flog.
„Willst du wirklich Feuer machen?“, fragte Jesus. „Schließlich haben wir Mitte Juli.“
„Mir doch egal! Hauptsache dieser dämliche Bock belauscht uns nicht wieder durch den Kamin“, erklärte der Inder während er ein Streichholz zwischen das Feuerholz warf.
„Also weiter. Jetzt brauchen wir noch mindestens einen Sänger und einen Bassisten“, stellte Jesus klar.
„Ach, singen können wir zur Not auch selber. Aber mir fällt partout kein Gott ein, der Bass spielt“, sinnierte Krischna. Jesus, der oft heimlich unter der Dusche singen geübt hatte, fand das sei eine ganz gute Idee. So würde er sogar Frontmann dieser Band werden, was ihm ganz entgegen kam. Aber einen Bassisten kannte er auch nicht.
Dann hörten die beiden wieder Gerumpel an der Tür. Sie sprangen sofort auf um zu sehen was passiert war. Pan hatte den Kopf durch die Katzenklappe gesteckt und sagte: „He Jungs, fehlt euch noch ein Bassist? Vielleicht kann ich euch aushelfen.“
„Verdammt, die Katzenklappe“, fluchte Krischna.
„Seit wann hast du ’ne Katze?“, wollte der Heiland wissen.
„Die Klappe ist noch von der Vormieterin. Ich wollte dich eigentlich bitten sie für mich zu schließen, du bist ja immerhin gelernter Tischler“, sagte Krischna.
„Kannst du überhaupt Bass spielen?“, fuhr Jesus Pan an.
„Jedenfalls kann ich besser Bass spielen als ihr beide singen könnt“, meinte Pan belustigt.
Jesus und Krischna warfen sich finstere Blicke zu. Dann riefen sie beide: „Was du auch?“
„Du willst mich wohl aus dem Rampenlicht haben, oder was?“, meinte Krischna böse.
„Und du? Ich dachte du spielst lieber Flöte, wie unser dämlicher Freund hier“, stänkerte Jesus zurück.
Krischna erwiderte: „Panflöte? Bist du verrückt?“
„Also was ist jetzt? Bin ich jetzt in der Band?“, unterbrach sie Pan.
Doch Jesus brüllte: „Nee, du hast doch gehört, dass ich hier bloß als Tischler bin. Außerdem, selbst wenn wir noch eine Band hätten, wäre sie ja nicht mehr cool, wenn wir solche wie dich mitmachen ließen und jetzt zieh deinen Kopf aus dem scheiß Loch.“
„Geht nicht, ich stecke mit den Hörnern fest“, sagte Pan grinsend.
„Dämlicher Ziegenficker“, meinte Krischna böse und ging Vaseline holen.

 

Jun 03

Krischna kam mit einem alten Hollandrad angegurkt. Jesus begrüßte ihn mit Handschlag.
„Wo hast du denn das olle Ding her?“, fragte Jesus.
„Das hab ich mir am Bahnhof organisiert“, sagte Krischna ohne mit der Wimper zu zucken.
„Da wird aber jemand schlechtes Karma bekommen“, witzelte Jesus.
Doch sein Kumpel fand das gar nicht so lustig. „Ich hab ja nicht gesagt, dass ich es nicht zurück bringen werde“, entgegnete er gereizt.
„Huhu!“, machte Jesus und zog eine Grimasse. „Krischna bringt mal was zurück. Haben wir jetzt etwa die Woche der guten Taten?“
„Ich bin wenigstens nicht übers Wasser abgehauen, um mich vor der Rechnung für das Abendmahl zu drücken“, meinte der Inder auftrumpfend.
Doch jetzt fand auch Jesus das nicht mehr lustig: „Wo ist denn dein Fahrradhelm?“
„Fahrradhelm? Du hast wohl zu lange am Kreuz gehangen. Ich mach mir doch die Frisur nicht mit so ’nem Teil kaputt. Ist mir egal, ob das Gesetz ist oder nicht“, antwortete Krischna trotzig.
„Na in den Himmel kommst du so sicher nicht“, sagte Jesus.
Krischna wollte gerade etwas erwidern, doch in diesem Moment kam der Fahrschulwagen angefahren. Aus diesem Grund schob er das geklaute Rad schnell zu Jesus, damit der Lehrer nicht merkte, dass er ohne Helm gefahren war.
Der Fahrlehrer stieg aus und begrüßte die beiden, dann setzte er sich auf den Beifahrersitz. Krischna nahm den Fahrersitz in Beschlag und Jesus, der nur dabei war um moralischen Beistand zu leisten, nahm auf der Rückbank Platz. „Spiegel, Blinker setzten, Schulterblick“, sagte Herr Bummler.
Krischna trat aufs Gas und ließ die Kupplung mit einem Satz kommen, so dass das Auto mit einem Ruck losfuhr. Sofort stürzte er sich ins Getümmel. Herr Bummler rief: „He, wo haben sie denn Autofahren gelernt, Herr Wischnuson, in Kalkutta oder was?“
„Äh - ja“, gab Krischna zurück.
„Wischnuson?“, murmelte Jesus fragend.
„Was dachten sie denn, Herr Christus? Dass ich keinen Nachnamen habe?“, verteidigte sich Krischna.
„Blinker, Blinker!“, rief Herr Bummler dazwischen. Der LKW hinter ihnen hupte. Krischna hupte zurück. „Nein, nicht hupen!“, rief der Fahrlehrer.
„Herrje, Sie machen so viele Dinge auf einmal, als ob sie vier Arme hätten, da komm ich gar nicht mit dem Gucken hinterher“, stellte der Fahrlehrer fest, während er versuchte Krischna abermals vom Hupen abzuhalten, wobei dieser das Fenster runtergekurbelt hatte um jemandem aus dem Gegenverkehr den Mittelfinger zu zeigen und gleichzeitig elegant einen BMW ausbremste. Herr Bummler raufte sich die Haare.
Jesus bemerkte: „Sie machen Fortschritte Herr Vischnuson, wir bekommen Ihren deutschen Führerschein sicher schon in ein paar Jahren.“
„Danke, Herr Christus“, antwortete der Angesprochene, während er mit dem Fahrlehrer um die Kontrolle des Lenkrads stritt, weil er trotz starken Gegenverkehrs zum Überholen angesetzt hatte.
Als der völlig überforderte Fahrlehrer es nicht mehr schaffte zu bremsen, weil Krischna einer hübschen dunkelhäutigen Frau zuwinkte, dabei laut hupte und die Kinder auf dem Zebrastreifen aus dem Weg springen mussten, schrie er laut: „Oh Gott!“
„Ja was ist denn?“, antworteten Krischna und Jesus sofort im Chor.
„Ist doch niemand verletzt!“, sagte Jesus, der durch die Heckscheibe lugte.
„Meine Nerven“, seufzte Herr Bummler und hielt sich die Augen zu.
„Da vorne ist ein Drive-in. Ich spendier Ihnen jetzt erst mal einen Kaffee“, meinte Krischna, zog das Lenkrad mit einem Ruck nach links und fuhr durch den bewachsenen Mittelstreifen und zwei Spuren quer über die Gegenfahrbahn.
Jesus bestellte ein Kindermenü mit Spielzeug und Krischna einen vegetarischen Hamburger. Den Kaffee stellten sie dem Fahrlehrer in den Becherhalter und fuhren weiter.

Als die Fahrstunde zu Ende war, stellten Krischna und Jesus erstaunt fest, dass Herr Bummler so gut wie gar nicht mehr gemeckert hatte.
„Immerhin hat er seinen Kaffee getrunken“, sagte Herr Vischnuson zufrieden.
„Nein, ich glaube, der ist ihm aufs Hemd gespritzt, als du die Abkürzung durch den Vorgarten genommen hast“, meinte Jesus.
Krischna schüttelte Herrn Bummler an der Schulter. „Du, weißt du was?“, sagte er, „Ich glaube er ist tot!“
„Ach, was!“, entgegnete Jesus: „Der ist nicht tot. Der stellt sich bloß einer elektroenzephalografischen Herausforderung.“
„Nee, jetzt mal ernsthaft“, sagte sein Freund, der keinen Puls bei dem Fahrlehrer finden konnte. „Darüber macht man keine Witze.“
Jesus stieß ein bedauerndes „Oh jemine!“ aus.
Da fragte ihn der Inder: „Sag mal, kannst du eigentlich immer noch Leute von den Toten auferwecken?“
Jesus seufzte: „Ja schon, aber das ist immer so anstrengend und ich wollte mir die Energie lieber für unsere Band aufheben. Kannst du dir nicht einfach einen neuen Fahrlehrer suchen?“
„Ach, komm mach schon“, forderte Krischna ihn auf. „Ich hatte mich gerade so an ihn gewöhnt.“
„Na gut, weil du es bist“, seufzte Christus und legte dem Mann die Hände auf den Kopf und schloss seine Augen. Sofort machte Herr Bummler seine wieder auf.
„Am Ende war es doch ganz ok, oder?“ fragte Krischna ihn.
„Ja, ja, sie machen Fortschritte“, antwortete der wiederbelebte Fahrlehrer etwas benommen.
Die beiden Götter stiegen aus. Krischna klopfte Jesus auf die Schulter und fragte: „Und wann machst du deinen Lappen?“
Jesus nuschelte: „Och, kein Geld. Außerdem würde ich eh viel lieber Motorrad fahren.“
Der Fahrlehrer kurbelte das Fenster herunter und sagte: „Dann gewöhnen Sie sich lieber an, beim Fahrradfahren einen Helm zu tragen. Mir entgeht nämlich nichts, wissen Sie?!“