Okt 29

Kennen Sie die Jesus-rettet-Frau? Jene religiöse Fanatikerin, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, mit einem kolossalen Schild durch die Innenstädte größerer Metropolen zu pilgern und nach Menschen zu fahnden, denen sie ihre viersilbige Botschaft verkünden kann.

In unserer Gesellschaft ist es ja so, dass religiöse Menschen, ihrem Eifer entsprechend, bei anderen Bevölkerungsschichten durchaus als verrückt angesehen werden. Ein Umstand, den einige Verrückte zum Anlass nehmen, diese Bevölkerungsschichten neu zu bekehren, was uns unter anderem die Jesus-rettet-Frau beschert hat.

Aber selbst seriöse Religionsgemeinschaften geben zu, dass in der Gesellschaft zu wenig über Religion gesprochen wird. Schwierig ist es daher für Gäubige, Ungläubige zu finden, die sich trotzdem mit ihnen über Jesus und Co zu unterhalten. Ein Problem, das auch Mitglieder der Kirche-Jesu-Christi-der-Heiligen-der-letzten-Tage kennen. Sie wissen schon, diese Anzugträger mit Namenschildchen, die immer zu zweit umher vagabundieren, alle Elder heißen und unter dem Namen Mormonen bekannt sind. Was aber nun, wenn die Jesus-rettet-Frau mit einem Mitglied der Kirche-Jesu-Christi-der-Heiligen-der-letzten-Tage zusammentrifft?

Nun, ich habe es erlebt, möchte aber an dieser Stelle nichts verraten. Das wäre so, als ob man preis geben würde, was man zu Weihnachten verschenken wird. Damit würde eine Überraschung lediglich zum Geschenk degradiert. Und das in einer Gesellschaft, in der man ohnehin alles sofort haben möchte. Nein, ein bisschen geheimnisvollen Zauber, etwas Unerreichbares, eine gewisse Resttrenzendens muss man sich auch noch aufsparen. Nur so viel möchte ich verraten, um die Neugierde ein wenig zu wecken:

Wenn Sie zufällig irgendwo beim Weihnachtsgeschenkekaufen in der Innenstadt eine tattrige Frau sehen, die ein großes Schild hält, auf welchem in großen Lettern „Jesus rettet!“ steht, dann sprechen Sie sie an und geben Sie sich als Mormone aus. Aber seien Sie gewarnt. Mit diesem Schild wurden vor meinen Augen schon einmal zwei muskulöse Elders verprügelt.

 

Jun 11

Jesus Popel

Auch einem Gott kann in der Kirche langweilig werden…

 

Jun 11

„Ich finde es schrecklich, was die Kirche aus der Religion gemacht hat!“, meckerte Jesus lautstark.
„So, was denn?“, wollte Krischna wissen, als die beiden gerade um die Ecke bogen und den See hinter den Häuserdächern erblickten.
„Na ja, früher, da war Religion doch für jeden was. Jeder fand irgendeine Gottheit cool und versuchte so zu sein wie sie. Aber heutzutage… Welcher Jugendliche sammelt denn schon Heiligenbildchen? Die fahren alle nur auf Superhelden ab. Und ich finde die haben recht. Ein Gott sollte sich doch schließlich nicht nur um das Seelenheil kümmern, sondern ab und zu auch mal für die Menschen da sein und den einen oder anderen Schwerverbrecher hinter Gitter bringen. Ein paar gute Werke vollbringen eben.“
Krischna nickte: „Ich mag am liebsten Hellboy und Wolverine. Die rocken ja wohl mal voll.“

„Da siehst du’s, genau das meine ich. Warum können wir nicht ein bisschen so sein wie die?“, fragte Jesus theatralisch.
„Tja, vielleicht sollten ja alle religiösen Menschen versuchen ein gutes Leben zu führen, dann gäbe es wahrscheinlich gar keine Verbrecher“, sinnierte Krischna vor sich hin.
In diesem Moment ertönte in einem Haus auf der anderen Straßenseite eine Sirene. Dann hörten sie Reifen quietschen und ein silberner Mercedes raste an ihnen vorbei. Jesus und Krischna blickten sich einen Moment erschrocken an. Dann meinte Jesus: „Die Sparkasse am See wurde ausgeraubt. Das ist unsere Chance!“
„Was für eine Chance?“, fragte Krischna.
„Na Superhelden zu werden, du Depp!“, antwortete Jesus.
„Wie sollen wir das denn machen?“, fragte Krischna ärgerlich. „Hinterher laufen oder auf den Bus warten? Außerdem kann ich doch meinen Grill nicht stehen lassen.“
Jesus winkte ab, „Ach lass den Grill. Die Ganoven haben die Strasse genommen die um den See führt. Wir brauchen ihn nur zu überqueren und eine Straßensperre zu errichten. Folge mir!“, rief er und rannte los. Krischna fluchte vor sich hin und lief seinem Kumpel hinterher.
„Wo bleibst du denn?“, rief Jesus, der am Seeufer stand. „Spring einfach auf meinen Rücken!“
Krischna tat wie ihm befohlen, fragte aber: „Ich dachte du kannst nicht mehr übers Wasser laufen, wenn dein Onkel Poseidon dich nicht trägt.“
„Ha, der arbeitet an den Wochenenden als Bademeister am See. Da kann niemand ertrinken und wir haben quasi freie Fahrt“, rief der Heiland und sauste mit Krischna huckepack über den See, als ob er von einen Schnellboot gezogen würde. Als sie die Uferböschung auf der anderen Seite hochgeklettert waren, blickten die beiden sich um. Der Wagen der Bankräuber war schon zu hören. „Verdammt, womit sollen wir denn hier eine Barriere errichten?“ rief Jesus. „Hier gibt es ja nur diese Steinwand, ein bisschen Wiese und Plastikmüll.“
Krischna zog einen Fisch aus seiner Tasche, der ihm auf der Überfahrt in Gesicht geklatscht war. „Kannst du eigentlich immer noch den Trick mit dem Fische duplizieren wie nach der Bergpredigt?“
Jesus grinste.
In diesem Moment bog der Fluchtwagen um die Ecke und raste auf sie zu. Krischna warf den Fisch hoch und hielt sich die Augen zu. Es krachte. Als der Inder die Augen wieder öffnete lag ein riesiger Berg toter Fische auf der Strasse. Jesus und er standen vor dem Fischberg unter dem der Wagen begraben war. Sie blickten sich an.
„Und jetzt?“, fragte Jesus.
„Jetzt warten wir bis sie rauskommen und hauen sie bewusstlos“, meinte Krischna und schlug mit einer Faust in die flache Hand.
Jesus legte die Hände hinter den Kopf und sah in den blauen Himmel. „Och weißt du, immer diese Gewalt…“ säuselte er vor sich hin.
Krischna sah ihn an. „So? Was war denn als du die ganzen Ungläubigen mit deiner Peitsche aus dem Tempel gejagt hast?“
„Ach die Peitsche, ja das war wirklich ein Prachtstück. Ich habe sie Miriam genannt“, schwärmte Jesus bis er Krischna’s vielsagenden Blick gewahr wurde. „Aber die habe ich schon vor ganz langer Zeit bei Ebay an einen gewissen Knecht Ruprecht versteigert. Ehrlich!“
„Na, dann“, seufzte der Inder, „verwandle ich mich halt in meine kosmische Gestalt und mach’s allein.“
Jesus klopfte ihm auf die Schulter. „Ok super!“
Krischna stellte sich auf die Mitte der Strasse und schrie laut auf, dabei wuchsen ihm zwei weitere Arme und seine Haut färbte sich dunkelblau. Die Bankräuber, die sich gerade aus dem Fischberg rausbuddelten staunten nicht schlecht, als der blaue Mann auf sie zu gerannt kam und die Scheiße nur so aus ihnen raus prügelte. Sie schienen überglücklich als die Polizei endlich eintraf und sie festnahm.
Jesus und Krischna, welcher sich nun wieder zurückverwandelt hatte, schlugen sich in die Hände. Dann brachten sie zusammen mit der Polizei das Geld, das die Diebe erbeutet hatten, zur Seesparkasse zurück.
Zum Dank schenkte ihnen der Direktor ein Jahr lang ein kostenloses Girokonto und überreichte ihnen mit den Worten: „Hier, wenn ihr es zu etwas bringen wollt, dann ist das ein guter Anfang!“ jedem ein Sparbuch.
Als sie die Sparkasse verließen, lächelte Jesus zufrieden vor sich hin und blätterte in seinem Sparbuch. „Wenn das Superheldengeschäft sich immer so lohnt, dann werde ich in der Tat nichts anderes mehr tun“, sagte er bis er den Kontostand erblickte. Entsetzt drehte er zu seinem Kumpanen „Hast du etwa auch ein leeres Sparbuch bekommen?“ Doch dieser warf das Heftchen gerade über seine Schulter. „Also echt Jesus. Gute Werke sind doch voll für’n Arsch!“, meinte er grimmig und ging den Grill suchen.