Home
Geschichten
• Die Fahrstunde
• Mose und der Weihnachtsbaum
• Die Band
• Was macht eigentlich das Einhorn?
• Das Ungeheuer von Loch Ness
• Die Superhelden
• Atombomben für religiöse Fanatiker
Charaktere
Downloads
Impressum
Kontakt
 
 
 
 

Atombomben für religiöse Fanatiker

In einem Büro des Weißen Hauses klopfte jemand zaghaft gegen die Tür.
„Ja“, antwortete der Mann am Schreibtisch ohne von seiner Arbeit abzulassen.
Der Präsident lugte durch die Tür. „Ich bin’s“, sagte er.
„Herein!“, erwiderte der Mann am Schreibtisch nun mit militärischem Tonfall.
Der Präsident lief auf den Schreibtisch zu und stellte sich neben den Stuhl. Als der andere immer noch nicht von seiner Arbeit aufsah, räusperte er sich vorsichtig. Der Mann am Schreibtisch, der einen Zylinder in den Farben der amerikanischen Flagge trug, hob eine Braue hoch. „Setz dich ruhig“, meinte er gönnerhaft, wie ein Vater zu seinem Sohn.
Der Präsident ließ sich auf dem Stuhl nieder. Nach einer Weile legte der andere seine Papiere bei Seite, faltete die Hände und blickte den Präsidenten scharf an. „Habe ich was falsch gemacht?“, fragte dieser etwas eingeschüchtert.
„Nein, nein, nein“, sagte der andere Mann beschwichtigend, „es ist nur so: Wir brauchen einen neuen Krieg.“
Der Präsident schluckte: „Aber, aber - man wird mich abwählen. Die Amerikaner wollen...“
„Das ist mir verdammt noch mal egal. Die gesamte Demokratie kannst du dir sonst wo hin stecken. Du sollst nicht das machen was alle wollen, sondern das was am besten für unser Land ist und das ist nun mal Krieg“ zeterte der Mann nun los.
„Ja, aber warum denn?“, fragte der Präsident.
„Warum? Warum? Wenn die Erde ein großer Ameisenstaat wäre, dann wären die Amerikaner die Soldatenameisen. Wir können nichts anderes als Krieg zu führen, aber das können wir wirklich verflucht gut. Denk doch nur mal an die Wirtschaftszweige, die davon profitieren. Die Fahrzeugindustrie baut Militärfahrzeuge, die Waffenindustrie baut Waffen, die Filmindustrie verherrlicht unsere glorreichen Helden und die Bauindustrie und die Medizin verdienen sich dumm und duselig an den Folgen. Wirtschaftlich gesehen ist Krieg das Beste was uns passieren kann. Deshalb brauchen wir einen möglichst großen Krieg. Am besten gegen Deutschland“, erklärte der Mann euphorisch.
„Was? Aber Deutschland ist doch mit uns in der Nato“, erwiderte der Präsident entsetzt.
„Diese feigen Nazis verstecken sich also in unseren Reihen. Das willst du denen doch nicht abkaufen?! Erst streuen sie dir Sand in die Augen und ruck zuck treten sie dir in die Eier. Rausschmeißen und angreifen!“, empfahl der Mann am Schreibtisch. Der Präsident wippte auf seinen Stuhl hin und her. „Aber Onkel Sam! Das kann ich doch nicht einfach machen.“
„So, was schlägst du denn stattdessen vor?“ fragte der Zylinderträger scharf und das Staatsoberhaupt stotterte seine Alternative: „Die - die - die Raumfahrt. Wir könnten...“
„Ha, ha, ha. Was glaubst du, wie die Raumfahrt durch einen Krieg mit nach vorne gezogen würde: Satteliten, Raketen, GPS und so weiter...
Außerdem kannst du doch das Geschick des Landes nicht an einen einzelnen Wirtschaftszweig hängen“ gluckste Onkel Sam belustigt. „Und die Nazis, willst etwa du vor denen auf den Mars flüchten, wenn sie uns überfallen?“
„Ich - ich würde gerne,“ fuhr der Präsident fort, „ich würde gerne mehr in die Bildung investieren und Krankenhäuser bauen. Ich denke Gott...“
Sofort unterbrach ihn sein Gegenüber und schlug mit der Faust auf den Tisch. „Gott?! Das ist also der Dank. Wer hat dich auf dem Schoß geschaukelt als du noch ein Kind warst? Wer hat dir früher Märchenbücher vorgelesen? Wer hat dir dein erstes vollautomatisches Gewehr mit Infrarotzielgerät geschenkt? Und so sieht deine Dankbarkeit aus?
Wo kommen wir denn da hin, mit dieser verweichlichten liberalen Einstellung? Du willst wohl, dass hier wieder Nächstenliebe verbreitende Hippies durch die Landschaft hüpfen? Amerika braucht keinen Gott, wir brauchen einen gut funktionierenden Militärapparat. Gott kann nachher unsere Kriegshelden im Paradies verköstigen, aber was hier unten auf der Erde vor sich geht, davon hat er sowieso keine Ahnung! Wann siehst du das endlich ein?“
„Ok, Onkel Sam. Du hast ja recht“, lenkte der Präsident ein und guckte auf den Boden. „Wie konnte ich nur so desillusioniert und egoistisch sein?“

Märchenonkel Sam

Der Andere legte ihm die Hand auf die Schulter. „Kopf hoch mein Kleiner, ich hätte mich eben mehr um dich kümmern sollen. Dir die Dinge besser erklären müssen - Ach ja wir müssen waffenfähiges Plutonium legalisieren.“
Das Staatsoberhaupt hob erschrocken den Kopf. „Plutonium?“
„Ja doch. Schließlich sind wir ein Land, dass sich groß ‚Freiheit‘ an die Brust schreibt. Wir können doch nicht zulassen, dass jeder dahergelaufene Möchtegerndiktator und jeder pakistanische Untergrundkämpfer nukleare Waffen basteln kann und es unseren Bürgern vorenthalten bleibt. Wir sind doch wohl kein Polizeistaat oder? Jeder Bürger sollte also das Recht haben, die Gesetzte unseres Landes zu verteidigen und wenn möglich auch mit Waffengewalt“, erklärte Onkel Sam stolz.
Sein Gegenüber erwiderte: „Ja schon aber ist das nicht ein bisschen...“
„Siehst du, das hab’ ich mir auch gedacht“, unterbrach ihn Onkel Sam erneut. „Wir können schließlich nicht jedem x-belibigen Nigger oder Hombre Plutonium in die Hand drücken. Wer weiß, was die damit anstellen würden. Deshalb verkaufen wir das Plutonium nur an Christen und natürlich auch nur an bibelfeste Fanatiker und nicht an diese Schwule tolerierenden Protestanten. Die haben unser schönes Land schließlich nicht aufgebaut und gegen die Nordstaaten verteidigt.“
Dem Präsidenten klappte die Kinnlade runter: „Wie - wie kannst du so etwas sagen?“
Onkel Sam steckte sich eine Zigarre an und schaute fragend auf das Staatsoberhaupt. „Was?“
„Das verstößt doch gegen die Verfassung“, sagte der entgeisterte Präsident. „Die Rassentrennung ist doch längst aufgehoben, die Religionen sind doch auch alle gleichberechtigt und die Geschichte unseres Landes habe ich mir auch irgendwie anders vorgestellt.“
Seelenruhig legte Onkel Sam die Füße auf den Tisch und paffte genüsslich an seiner Zigarre.
„Verfassung? Ach ja hab’ ich mal gelesen“, erwiderte er, „Hat mich allerdings nicht überzeugt.
Außerdem: Was auf dem Papier steht und was in der Realität wirklich vor sich geht, dass sind doch zwei völlig verschiedene Paar Schuhe.“


Dieser Text mit dazugehörigem Bildmaterial ist urheberechtlich geschützt. Alle Rechte liegen beim Verfasser. Ein einzelner Text, mit der entsprechenden Bebilderung, dieser Seite, darf gerne auf privaten Internetseiten veröffentlicht werden, wenn eine Quellenangabe mit dem Verweis auf die Domain: http://www.jesus-krischna.de eingerichtet wird.
Die kommerzielle Nutzung der Texte und Bilder ist untersagt. Ebenso ist es nicht erlaubt selbige in irgend einer Form zu verändern.
Bei Fragen erreichen Sie den Autor unter: info@jesus-krischna.de

 
 
Seitenanfang | Drucken | Download PDF