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Die Superhelden
„Ich finde es schrecklich, was die Kirche aus der Religion gemacht hat!“, meckerte
Jesus lautstark.
„So, was denn?“, wollte Krischna wissen, als die beiden gerade um die Ecke bogen
und den See hinter den Häuserdächern erblickten.
„Na ja, früher, da war Religion doch für jeden was. Jeder fand irgendeine
Gottheit cool und versuchte so zu sein wie sie. Aber heutzutage... Welcher Jugendliche
sammelt denn schon Heiligenbildchen? Die fahren alle nur auf Superhelden ab.
Und
ich finde die haben recht. Ein Gott sollte sich doch schließlich nicht nur um
das Seelenheil kümmern, sondern ab und zu auch mal für die Menschen da sein
und den einen oder anderen Schwerverbrecher hinter Gitter bringen. Ein paar gute
Werke
vollbringen eben.“
Krischna nickte: „Ich mag am liebsten Hellboy und Wolverine. Die rocken ja wohl mal voll.“
„Da siehst du’s, genau das meine ich. Warum können wir nicht ein bisschen so sein
wie die?“, fragte Jesus theatralisch.
„Tja, vielleicht sollten ja alle religiösen Menschen versuchen ein gutes Leben
zu führen, dann gäbe es wahrscheinlich gar keine Verbrecher“, sinnierte
Krischna
vor sich hin.
In diesem Moment ertönte in einem Haus auf der anderen Straßenseite eine
Sirene. Dann hörten sie Reifen quietschen und ein silberner Mercedes raste an
ihnen vorbei. Jesus und Krischna blickten sich einen Moment erschrocken an. Dann
meinte Jesus: „Die Sparkasse am See wurde ausgeraubt. Das ist unsere Chance!“
„Was für eine Chance?“, fragte Krischna.
„Na Superhelden zu werden, du Depp!“, antwortete Jesus.
„Wie sollen wir das denn machen?“, fragte Krischna ärgerlich. „Hinterher
laufen oder auf den Bus warten? Außerdem kann ich doch meinen Grill nicht stehen
lassen.“
Jesus winkte ab, „Ach lass den Grill. Die Ganoven haben die Strasse genommen
die um den See führt. Wir brauchen ihn nur zu überqueren und eine Straßensperre
zu errichten. Folge mir!“, rief er und rannte los. Krischna fluchte vor sich
hin und lief seinem Kumpel hinterher.
„Wo bleibst du denn?“, rief Jesus, der am Seeufer stand. „Spring einfach auf
meinen Rücken!“
Krischna tat wie ihm befohlen, fragte aber: „Ich dachte du kannst nicht mehr
übers Wasser laufen, wenn dein Onkel Poseidon dich nicht trägt.“
„Ha, der arbeitet an den Wochenenden als Bademeister am See. Da kann niemand
ertrinken und wir haben quasi freie Fahrt“, rief der Heiland und sauste mit
Krischna huckepack über den See, als ob er von einen Schnellboot gezogen
würde.
Als sie die Uferböschung auf der anderen Seite hochgeklettert waren, blickten
die
beiden
sich
um.
Der
Wagen der Bankräuber war schon zu hören. „Verdammt, womit sollen wir
denn
hier
eine Barriere errichten?“ rief Jesus. „Hier gibt es ja nur diese Steinwand, ein
bisschen Wiese und Plastikmüll.“
Krischna zog einen Fisch aus seiner Tasche, der ihm auf der Überfahrt in
Gesicht
geklatscht war. „Kannst du eigentlich immer noch den Trick mit dem Fische duplizieren
wie nach der Bergpredigt?“
Jesus grinste.
In diesem Moment bog der Fluchtwagen um die Ecke und raste auf sie zu. Krischna
warf
den
Fisch
hoch und hielt sich die Augen zu. Es krachte. Als der Inder die Augen wieder
öffnete
lag ein riesiger Berg toter Fische auf der Strasse. Jesus und er standen vor
dem Fischberg unter dem der Wagen begraben war. Sie blickten sich an.
„Und jetzt?“, fragte Jesus.
„Jetzt warten wir bis sie rauskommen und hauen sie bewusstlos“, meinte Krischna und schlug mit einer Faust in die flache Hand.
Jesus legte die Hände hinter den Kopf und sah in den blauen Himmel. „Och
weißt du, immer diese Gewalt...“ säuselte er vor sich hin.
Krischna sah ihn an. „So? Was war denn als du die ganzen Ungläubigen mit deiner Peitsche aus dem Tempel gejagt hast?“
„Ach die Peitsche, ja das war wirklich ein Prachtstück. Ich habe sie Miriam genannt“,
schwärmte Jesus bis er Krischna’s vielsagenden Blick gewahr wurde. „Aber
die
habe ich schon vor ganz langer Zeit bei Ebay an einen gewissen Knecht Ruprecht
versteigert. Ehrlich!“
„Na, dann“, seufzte der Inder, „verwandle ich mich halt in meine kosmische Gestalt und mach’s allein.“
Jesus klopfte ihm auf die Schulter. „Ok super!“
Krischna stellte sich auf die Mitte der Strasse und schrie laut auf, dabei wuchsen
ihm zwei weitere Arme und seine Haut färbte sich dunkelblau. Die Bankräuber,
die sich gerade aus dem Fischberg rausbuddelten staunten nicht schlecht, als
der blaue Mann auf sie zu gerannt kam und die Scheiße nur so aus ihnen raus prügelte.
Sie schienen überglücklich als die Polizei endlich eintraf und sie festnahm.
Jesus und Krischna, welcher sich nun wieder zurückverwandelt hatte, schlugen
sich
in die Hände. Dann brachten sie zusammen mit der Polizei das Geld, das die
Diebe
erbeutet hatten, zur Seesparkasse zurück.
Zum Dank schenkte ihnen der Direktor ein Jahr lang ein kostenloses Girokonto
und überreichte ihnen mit den Worten: „Hier, wenn ihr es zu etwas bringen
wollt, dann ist das ein guter Anfang!“ jedem ein Sparbuch.
Als sie die Sparkasse verließen, lächelte Jesus zufrieden vor sich hin und blätterte
in seinem Sparbuch. „Wenn das Superheldengeschäft sich immer so lohnt, dann werde
ich in der Tat nichts anderes mehr tun“, sagte er bis er den Kontostand erblickte.
Entsetzt drehte er zu seinem Kumpanen „Hast du etwa auch ein leeres Sparbuch
bekommen?“ Doch dieser warf das Heftchen gerade über seine Schulter. „Also echt
Jesus. Gute Werke sind doch voll für’n Arsch!“, meinte er grimmig und ging
den
Grill suchen.

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